Mittwoch, 30. Dezember 2009

Fottos

!!! Neue Fottos !!!

I wanna be daylight in your eyes

Gestern Morgen lief doch tatsaechlich "Daylight" von den "No Angels" im ansonsten englischsprachigen Radio...

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Frohes Fest

Liebe Verwandte, Freunde, Bekannte und Familie,

es sind sportliche 25 Grad, die Sonne scheint, ein paar Wolken und ein laues Lueftchen vom Atlantik machen die Temperaturen ertraeglich. Es ist Weihnachten.

Obwohl ich dieses Jahr doch unter denkbar ungewohnten Umstaenden feiern werde, bin ich gespannt was mich erwartet.
Christoph und ich feiern bei den Roerkohls, einer deutschen Familie aus Windhoek, die uns freundlicherweise ueber die Weihnachts- und Neujahrfeiertage zu sich nach Hause eingeladen hat. Wir werden den Abend mit einem ueppigen Abendessen, einer kleinen Bescherung und anschliessender Christmette begehen, aehnlich wie zu Hause, und doch auch komplett anders.

Ich moechte auf diesem Weg allen Mitlesern, Mitfiebernden und Unterstuetzern ein wenigstens genau so aufregendes, wie entspanntes Weihnachtsfest wuenschen und hoffe, dass es in Deutschland entweder zuenftig schneit oder es genau so wunderbar warm sein wird wie hier (, denn alles andere ist wie gewollt und nicht gekonnt...).

Ein frohes Fest an Alle!

Euer Fredi

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Delphinalarm in der Mole

Und ich dachte ich guck nich richtich!

Vorgestern sassen Christoph und ich im Strandcafe und fuehrten uns all die Leckerlitaeten zu Gemuehte, die man hier in Swakopmund so bekommt (Schwarzwaelder Kirschtorte, Kaesekuchen, ...), da erspaehten wir doch tatsaechlich eine Rueckenflosse im Schwimmerbereich der Mole. Die Mole ist ein durch einen aufgeschuetteten Wall vor Wellen und Stroemungen geschuetzter Bereich, in dem man ganz entspannt ein bisschen schwimmen kann - so nicht vorgestern.
Zuerst geriet ich etwas in Panik in der Vorstellung, es koennte sich um Haie handeln, dunkle Erinnerungen an den RTL-Blockbuster "Haiarlam auf Mallorca" wurden wach.
Aber dann huepften ein paar herumtollende Delphine aus dem Wasser und wieder hinein, sodass die Badegaeste und ich uns dieser froehlichen Tiere in unmittelbarer Strandnaehe erfreuten und das seltene Naturschauspiel beobachteten.
Obwohl einige Badegaeste einfach weiter im tiefen, delphinversaeuchten Wasser blieben, ist nichts passiert (leider, wie wir Sensationstouristen dachten).

Weitaus schlimmer sind da schon die aus Lichtschlaeuchen geformten Weihnachtsrobben- und delphine, die abends an den Laternen angebracht fuer Weihnachtsflair sorgen sollen.
Vielleicht bin ich da ein bisschen durch den nah an der Weihnachtsgeschichte gehaltenen Weihnachtsschmuck aus Deutschland verwoehnt, vielleicht machen Schlitten und Rehntiere im schneearmen Afrika aber auch einfach nicht so viel her wie in Deutschland, ich weiss es nicht...

Was soll's, solange die Delphine sich weiterhin zu den Schwimmern gesellen, duerfen sie auch weiterhin Laternen und Schaufenster besudeln.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Kleindeutschland in Afrika

Freunde der Nacht, der Sonne und der gepflegten Heiterkeit,

ich bin in Swakopmund und es ist Urlaub pur! Seit nunmehr 6 Tagen nutzen Christoph und ich unsere Sommerferien um am Strand am Atlantik zu liegen, die Namibawueste zu erkunden oder einen Ausflug ins 30km entfernte Walvis Bay zu unternehmen.
Dabei kommt besonders deswegen Urlaubsstimmung auf, weil das Ambiente, also die Strandpromenade, die Einkaufspassagen und vor allem die Besucher stark an einen Mix aus Mallorca und Ruegen erinnern. (Fauna und Flora: Mallorca, Gaeste und Einkaufspassagen: Ruegen)
Es sind fast ausschliesslich Deutsche und Afrikander, also weisse afrikaanssprechende Afrikastaemmige unterwegs, was insofern angenehm ist, als dass man nicht (wie in Windhoek) an jeder Strassenecke um ein paar Dollar angehauen wird. Auch muss man nach Einbruch der Dunkelheit nicht fuerchten ueberfallen zu werden, da der Township weiter ausserhalb liegt.

Swakopmund ist ein echtes Zeugnis deutscher Kolonialgeschichte und Sued-Afrikanischer Besatzung, was anhand der zahlreich vertretenen Kolonialarchitektur und Kriegsdenkmaeler (, die an die deutschen Gefallenen erinnern) und des ausgelagerten Townships unschwer zu erkennen ist.
Irgendwie scheint das heutige Afrika hier noch keinen Einzug erhalten zu haben, was im ach so vorbildlich entwickelten Namibia etwas verwundert.

Nichts desto trotz geniessen Christoph und ich unsere noch verbleibenden Tage bis Neujahr und lauschen noch ein wenig den teils offenkundig, teils versteckten rassistischen Aeusserungen der Einheimischen...

Heil Swakopmund

Samstag, 12. Dezember 2009

Safety First!

Und das nicht nur beim Schnackseln, nein, der klassische Namibiatouri von heute ist ein nach Sicherheit laechzendes Wesen, dass mit allen Tipps und Tricks moeglichst unbehelligt durch die Fussgaengerzonen Windhuks zu schlaendern versucht und dabei ungewollt alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Gerade komme ich mit Christoph von unserem allmittaeglichen Kaffeekraenzchen bei "Mugg & Beans" und bin noch voellig irritiert: Sollte ich mir vielleicht auch lieber einen roten Travelrucksack mit integrierter Trinkwasserversorgung zulegen und (!) ihn mir auf die Brust schnallen, damit ich ihn immer im Blick habe? Sandalen mit Vibramsohle und Kahkihosen mit Ripstop kaufen, dazu ein schickes kurzaermliges Baumfaellerhemd (110% atmungsaktiv)? In der einen Hand den Reisefuehrer, in der anderen eine ans Handgelenk gebundene Kamera, insofern sie leichtsinnigerweise ihren Verwahrungsort in der Kameratasche am Guertel verlassen hat? Die verspiegelte Sonnenbrille mit Sicherheitsbaendchen um den Hals tragen?


Aaeh, nein.

Freitag, 11. Dezember 2009

Ab an die Kueste

So Freunde,

am Dienstag geht das dann 300km gen Westen!
Nachdem uns unsere deutsche informelle Gastfamilie in ihr Ferienhaus in Swakopmund eingeladen hat, lassen Christoph und ich uns nicht lumpen und werden dieser Einladung am Dienstag gerne nachkommen.

Swakopmund ist mit seinen 32.300 Einwohner keine klassische Grossstadt, hat aber, mehr noch als Windhuk, einen Haufen deutscher Kolonialarchitektur zu bieten, was zugegebenermassen kein Kriterium beim Reiseziel war.
Das Staedtchen liegt zwischen Atlantik und der Namib, der Wueste, der Namibia ihren Namen zu verdanken hat, und hat deswegen ein fuer die namibische Sommerzeit ungewoehnlich kuehles (angenehmes) Klima. Das ist auch einer der Gruende, warum alle Deutsch-Namibier, die es sich leisten koennen, um die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage nach Swakopmund ausschwaermen.
Leider ist nicht nur die Architektur dort sehr deutsch, sondern vor allem auch die Bevoelkerung. Mein Reisefuehrer verraet, dass boese Zungen behaupten Swakopmund sei deutscher als Deutschland.

Christoph und ich stellen uns also auf ein paar wohl klimatisierte Dezemberfeiertage ein und hoffen, dass uns Klein-Deutschland nicht schon nach den ersten Tagen auf die Nerven geht.

Zur deutschen Mentalitaet in Namibia an anderer Stelle mehr...

Gruesse aus dem nie heisser empfundenen Namibia,

Flendrik

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Ueberraschungen bei der Wahl...

... gab es auch beim 5. Wahlgang der namibischen Geschichte keine.

Die Ergebnisse zeigen wohl relativ deutlich, dass in Namibia zwar ein Mehrparteiensystem verfassungsmaessig festgehalten ist, die Namibierinnen und Namibier aber noch immer nicht vergessen haben, wer sie zur Unabhaengigkeit gefuehrt hat.


Allerdings bleiben Zweifel, in wie fern diese Wahl fair verlaufen ist, zumindest die deutsche regierungskritische „Allgemeine Zeitung“ wittert seit (und vor) den Wahlen Betrug. Beispielsweise hat jeder Waehler nach seiner Wahl die Fingerkuppe mit einer speziellen Tinte beschmiert bekommen, die unter ultraviolettem erkennbar sein sollte, damit niemand auf die Idee kommt, doppelt zu waehlen. Scheinbar sind aber doch ein paar ausgeschlafene Waehler auf diese Idee gekommen, da zwei Wahlbezirke nicht gewertet werden konnten, weil es mehr Stimmen als Wahlberechtigte gab. Dazu will eine der Oppositionsparteien „eidestattliche Beweise“ haben, dass die Tinte mit Wasser und Seife abzuwaschen sei.

Dazu kommt, dass die Wahlurnen alle die gleiche Seriennummer hatten, was einen Austauch zumindest ziemlich erleichtert. Schon im Vorhinein sind im Norden des Landes (, der nahezu gaenzlich der SWAPO anhaengt), Wahlurnen gefunden worden, in denen bereits Stimmzettel waren.

Der zwischenzeitliche Stromausfall in einigen Wahllokalen im Norden des Landes setzt dem ganzen noch die Krone auf. Stromausfaelle gab es uebrigens bisher bei jeder Wahl, was den objektiven Wahlbeobachter doch ein wenig skeptisch stimmt.


Hier die Wahlergebnisse:


1. SWAPO: 74,29%
2. RDP: 11.16%
3. DTA: 3,13%


Dank einer Zweidrittelmehrheit und einer ziemlich zerspaltenen Opposition (es gibt in Namibia fuer ca. 800.000 Wahlberechtigte eine Auswahl von ueber 15 (!) Parteien) darf die SWAPO sich also 5 weitere Jahre angenehmsten Gesetzgebungskompetenzen erfreuen.


Es lebe die Demokratie!

Leoparden- und Gepardenfuetterung

Letzten Freitag haben uns die Roerkohls, die deutsche Familie, die uns seit unserer Ankunft immer wieder helfend zur Seite steht, in eines der Wild Life Ressorts naehe Windhuk eingeladen. So konnten wir einen Haufen Geparden beim froehlichen Fleischverspeisen begutachten.
Nebenan im Leopardenressort hatte man sich was ganz verruecktes ausgedacht. Es wurde ein Rinderschenkel an einen 3m ueber dem Erdboden befindlichen Ast gedrahtet und dann abgewartet, bis sich einer der Leoparden elegant wie eine Spitzmaus den Baum hoch schlaengelte, um dann noch auf dem Ast den Rinderschenkel zu vernaschen.

Echt stark, diese Raubkatzen!

(Fotos folgen)

Freitag, 4. Dezember 2009

Visumsodyssee (2)

Nachdem wir gestern unser 3 monatiges Jubilaeum in Namibia feiern konnten, haben wir heute endlich unsere temporaere Studienerlaubnis entgegen nehmen koennen.
"Studienerlaubnis???", fragt sich der gewiefte Leser jetzt und ist voellig verwirrt.
Wir haben eine Studien- und keine Arbeitserlaubnis beantragt, weil man fuer eine Arbeitserlaubnis beispielsweise die Stellenanzeige einer Zeitung nennen muss, die den Arbeitsplatz anbietet. Da es in Oshipeto und Umgebung aber keine Zeitung gibt, gestaltet sich das ein bisschen schwierig.

Wir duerfen jetzt bis 12.03.2010 hier bleiben und studieren, was erstmal beruhigend ist, wenn auch umstaendlich. Denn direkt nachdem Christoph und ich Ende Februar aus Ghana bzw. Tansania zurueckkommen, geht der ganze Zirkus wieder von vorne los.

Naja, das Leben ist auch in Namibia kein Ponyhof und das Innenministerium kein D-Zug.

In diesem Sinne,
Fredi

Montag, 30. November 2009

Neuer Volunteer aus Deutschland/ Touri-Invasion

Am Mittwoch waren Christoph und ich wieder mal in Geberlaune und haben den frisch aus Deutschland eingetroffenen Koblenzer, Thomas, in Empfang genommen und durch die Stadt gefuehrt. Zwar ist er nicht in unserem Projekt, sondern in einem katholischen Kinderhilfsprojekt im 350km entfernten Tsumeb untergekommen, aber er ist trotzdem nett...

Leider ist er gerade zur Weihnachtszeit (= Touristenzeit) und waehrend den Wahlen angekommen, was die Strassen in Windhoek zu einem echten Abenteuer macht.
Auf der einen Seite sieht man ueberdurchschnittlich viele dickbaeuchige Mittfuenfziger, die mit Safarihut, am Guertel befestigen Kamerataschen und Sonnenbrille mit Sicherheitsbaendchen in Kahkihosen und Baumfaellerhemden durch die Strassen ziehen und im Grunde nur vergessen haben, sich "Touri" auf die Stirn zu schreiben, um wenig spaeter ueberfallen zu werden.
Auf der anderen Seite sorgen die Wahlen dafuer, dass sich viele Einheimische der partyaehnlichen Wahlstimmung hingeben und spaetestens nachmittags betrunken sind, weswegen man den Township und auch bestimmte Gegenden der Innenstadt meiden sollte.

Direkt am Mittwoch sind Thomas und ich, im Zoo Park sitzend, erst auf die uebliche Tour angesprochen worden ("Ay, deuitsch, ja? Stuttgart, Munschen, Cologne. Ik spreke en bischen Deuitsch.") und dachten, nachdem er das uebliche "Do you have a Dollar for me?" losgelassen hat, macht er sich schon wieder vom Acker.
Doch als er einfach nicht gehen wollte, aber wir stattdessen, nahm er die von Beginn an neben sich gelegte, an einen kleinen Ast gebundene Skalpellspitze in die Hand und drohte uns besser nicht aufzustehen. Als er dann nach einiger Zeit feststellen musste, dass bei uns nichts zu holen ist, half er uns ploetzlich uebertrieben freundlich auf die Beine und verschiedete sich.

Freitag Abend, als Thomas und ich aus der Innenstadt zum etwas ausserhalb gelegenen Backpacker wollten, wurden wir ploetzlich von drei finster drein blickenden Gestalten umrundet, die erst nur noch ein paar Dollar fragten, aber immer naeher kamen und aufdringlich wurden, obwohl wir einfach weiterzugehen versuchten.
Gluecklicherweise gesellte sich irgendwann ein anderer Kerl dazu, der die Boesen dazu brachte sich vom Acker zu machen. Ich verliebte mich kurz in diesen Menschen, da er so lange bei uns stehen blieb, bis wir in irgendeinem Taxi davon fuhren. Er meinte, dass wir, wenn wir einfach weiter gegangen waeren, vermutlich irgendwo ueberfallen worden waeren.
Am naechsten Tag wurde mir erzaehlt, dass unser Retter vermutlich ein Polizist in Zivil war, welche waehrend der Wahlen und der Weihnachtszeit zu Hauf im Einsatz sind.


Eine gute Sache, wie ich meine!

Donnerstag, 26. November 2009

Visumsodyssee

Schoen,

Montag sind wir nach knappen zwei Stunden im Stasibau der Home Affairs ziemlich frech abgefertigt worden, indem man unsere (schon x-Mal kopierten Unterlagen) kopiert und dann gesagt hat, WIR melden uns dann, IHR macht erstmal gar nichts.

Da wir die Pappenheimer hier aber mittlerweile kennen, sind wir verrueckterweise gestern einfach nochmal aufgelaufen und haben gesagt, der Erzbischhof persoenlich haette uns geschickt, um den Fortschritt unseres Antrags fuer eine Arbeitserlaubnis zu pruefen.
Endlich fuehrte die Dame von Montag uns genervt zu einer anderen Dame, der wir unser Anliegen nochmal von Vorne vortragen mussten. Diese schien etwas engagierter zu sein, rief aber erstmal bei den Ordensschwestern an, um zu fragen, ob wir wirklich von der Kirche sind. Nachdem das bestaetigt war, hat sie unsere Unterlagen geprueft und versprochen, dass unser Fall naechste Woche Dienstag beim allwoechentlichen Kaffeekraenzchen besprochen wird.
Soweit waren wir schon vor zwei Monaten, als man entschied besser erst noch unsere (vor vier Monaten abgeschickten) Visumsunterlagen aus Deutschland abzuwarten.

Wir warten einfach mal entspannt ab und hoffen, dass es bis zum 03.12.09 entweder eine Verlaengerung des Touri-Visums gibt oder die lang ersehnte Arbeitserlaubnis.

So far,

Fredi

Montag, 23. November 2009

Wahlen in Namibia

Ein kleiner Exkurs in die Politik eines Landes, das zwischen 1884 und 1918 deutsche Kolonie war, kann nicht schaden, daher bin ich mal so frei:

In Namibia herrscht Demokratie, und das in Form der seit Namibias Unabhaengigkeit unangefochtenen Partei SWAPO (South West African People's Organisation).
Am 27. und 28. November dieses Jahres wird, wie alle fuenf Jahre, mal wieder die SWAPO gewaehlt, was in ganz Namibia zu mehr oder weniger friedlichen Kundgebungen fuehrt, bei denen die SWAPO eindrucksvoll ihre Vormachtsstellung demonstriert.
Als wir vor zwei Wochen zufaellig waehrend eines Parteitreffens der oppositionellen RDP (Rally for Democracy and Progress) in Outapi waren, konnten wir ganz gut sehen, wie lebendig solche Treffen in Namibia abgehalten werden. Diese Treffen sind eigentlich viel treffender mit "Parteiparty" zu umschreiben, denn grob geschaetzte 1000 Anhaenger der RDP standen in den entsprechenden Farben und Hueten am Strassenrand und jubelten dem nicht enden wollenden Tross der uebervollbesetzten PKWs, Pick-Ups und LKWs mit weiteren Anhaengern der Partei zu. Erst dachten wir es sei ein Treffen der SWAPO, denn wir kamen aus dem Teil der Region, den die in gleich grosser Zahl vertretenen SWAPO-Anhaenger abzusperren versuchten, da die eigentliche Kundgebung in diesem Teil stattfinden sollte. In den Farben der SWAPO (und der namibischen Flagge) - gruen, rot, blau - standen die Leute auf der Strasse, jubelten und zerrissen die ueberall herumfliegenden Plakate des Praesidentschaftskandidaten der RDP.
Was erst nach friedlichem Herumjodeln und Papierverschwendung aussah, entwickelte sich wohl spaeter noch zu einigen handfesten Krawallen, bei denen Steine flogen und einige der Demonstranten verhaftet wurden, wie wir am naechsten Tag in der Zeitung lesen konnten.

Die Swapo hat deswegen eine solche Vormachtsstellung inne, weil sie den suedafrikanischen Besatzern zwischen 1960 und der Unabhaengigkeit 1990 erst friedlichen, dann bewaffneten Widerstand leistete. Sie setzte sich fuer die Arbeiter ein und war somit die erste "Gewerkschaft" Namibias, und damit ruehmt sie sich bis heute. Der Gruender der SWAPO und erster Praesident Namibias, Sam Nujoma, ist heute ein echter Volksheld, auf den die Namibier nichts kommen lassen.
Als ich Lehrer in Ruacana war, haette ich fast die Ehre gehabt ihn zu treffen, da er gerade in der Stadt war und anschliessend eigentlich die neu eroeffnete Schule besichtigen wollte, an der ich unterrichtete. Leider zog sich das Treffen mit dem Buergermeister der Stadt aber derart in die Laenge, dass sein Konvoi ohne jedes Treffen mit der Schule oder mir davon zog. Als ich mit meinen Schuelern zu diesem Anlass ein kleines Brainstorming zu Sam Nujoma machte und irgendwann fragte: "Stimmt es, dass Sam Nujona korrupt war?", war's ploetzlich still in der Klasse, wobei die Schueler erst mit allerhand Detailwissen aufgetrumpft hatten. Irgendwann meinte einer der Schueler zwar hoeflich aber bestimmt:"Ay, weder Du weisst es genau, noch wir wissen es genau, drum frag einfach was anderes." Gut, dachte ich, fragst du besser wie viele Kinder er aus brennenden Haeusern geholt und wie vielen alten Frauen er ueber die Strasse geholfen hat.
Als ich spaeter mit Sacky, unserem namibischen Mitbewohner, darueber geredet habe, meinte er, dass er wohl relativ offensichtlich korrupt war (und ist), dies aber aufgrund seines Status als Gruendungsvater ignoriert wird. Zudem hat er die Verfassung mal kurz geaendert, um an seine zweite Amtsperiode noch eine dritte zu haengen. Nichts desto trotz ist und bleibt er als Gruender der SWAPO wohl zurecht der namibische Thomas Jefferson...

Das Lob der Einheimischen auf der einen Seite, die Kritik der Auslaender in Namibia, aber auch einigen Einheimischen auf der anderen: Die SWAPO um den derzeitigen und kuenftigen Praesidenten Hifikepunye Pohamba wird das Rennen machen und nach dem vorletzten Ergebnis (76,3%) und des letzten (76,1%) wieder mit absoluter Mehrheit den Grossteil der 72 Sitze im Parlament besetzen. Auch wenn ich kein Namibiaexperet bin, will ich mal verrueckt sein und das Wahlergebnis voraussagen: Die SWAPO gewinnt mit 77,2%.

Sehr schoen, nachdem ich jetzt den Grundstein fuer mein Expertendasein - sollte ich Recht behalten - gelegt habe, moechte ich Euch wieder in den Rest des Internets entlassen und einen hoffentlich noch kommenden Winter wuenschen.

Bis die Tage,

Fredi

Samstag, 21. November 2009

Ab in die Ferien


Sodele,

heute ist letzter Abend in Oshipeto, denn morgen geht es ab nach Windhuk in die Sommerferien. Eigentlich beginnen die Ferien erst Ende naechster Woche, aber die Zeit draengt ein wenig. Unser Touristenvisum laeuft am 03.12.09 aus, sodass wir bis dahin tunlichst eine Arbeitserlaubnis oder irgendetwas vergleichbares in der Tasche haben sollten.

Wie berichtet, haben wir uns mittlerweile an eine hauptberufliche Visumsbeschafferin gewendet, die uns Montag hoffentlich die frohe Kunde einer entsprechenden Erlaubnis verkuendet.

Ich werde berichten...

Gruesse,
Fredi

Freitag, 6. November 2009

Kurzausflug nach Windhuk

Nachdem Christoph und ich etwas Probleme mit unserer Arbeitserlaubnis fuer das kommende Jahr und dem Touristenvisum fuer unsere Zwischenseminare in Ghana bzw. Tansania haben, sind wir Mittwoch frueh morgens mit den Ordensschwestern aus Oshikuku, die eh nach Windhuk wollten, mitgefahren, um uns entsprechend zu kuemmern.

Da wir Mittwoch Abend noch eine Bleibe finden mussten und in dieser Woche ganz Windhuk ausgebucht zu sein scheint, waren dementsprechend alle guenstigen Hostels ausgebucht, sodass wir notgedrungen in einer relativ gehobenen Pension schlafen "mussten".
Ungeachtet der Mehrkosten, war es der Himmel auf Erden! Seit langem konnten wir so mal wieder warm duschen, TV gucken, die Zimmerbar nutzen und abends am Pool die Seele baumeln lassen.
Die vergangene Nacht konnten wir dann doch in einem der guenstigen Hostels in einem 4-Bett Zimmer verbringen, das wir gluecklicherweise fuer uns hatten. Aber auch hier laesst es sich aushalten. Es gibt einen Pool, einen Billardtisch und eine Dusche, bei der nur das heisse Wasser geht, sie ist also ohne ausgesprochen schnelles drunter- und wieder weg ducken und ohne Hautverbrennungen 2. Grades nicht zu benutzen. Irgendwie kann man sich mit viel Geduld und schnellem Umherspringen aber trotzdem abduschen.

Unsere Arbeitserlaubnis scheint irgendwie nicht so richtig auf den Weg zu kommen, denn die Jungs ausm Aussenministerium haben noch immer nichts von sich hoeren lassen. Da wir aber ab dem 3. Dezember kein gueltiges Visum mehr haben, wird es langsam eng. Ueber 3 Ecken sind wir auf eine hauptberufliche Visumsbeschafferin gestossen, die die Sache jetzt in die Hand genommen hat und hoffentlich bis zum 22.November - dann sind wir wieder in Windhuk - Erfolge verzeichnet hat.
Morgen geht's wieder zurueck nach Oshipeto.

Soweit aus Windhuk,

Fredi

Dienstag, 3. November 2009

Skandal im Sperrbezirk!


In den letzten Tagen sind wir mehrfach Opfer heimtueckischer Einbrueche geworden!

Eine der Schwestern hatte einen ca. 14 jaehrigen Jungen aus dem Hostel dabei erwischt, wie er waehrend unserer zwei taegigen Abwesenheit versucht hatte, durch das offene Kuechenfenster bei uns einzusteigen, um Brot zu klauen. Zwei Tage spaeter entdeckten wir zwei volle Bierdosen vor dem selben Kuechenfenster, die vorher noch in unserer Kuehltruhe gestanden hatten. Wir hatten das Kuechenfenster zwar dummerweise wieder offen stehen lassen, waren aber nur fuer 5 Minuten bei den Schwestern gewesen.

Der Junge, der auf frischer Tat ertappt worden ist, musste die naechsten zwei Tage Kot schueppen. So ist das im Leben, auf List folgt Mist...

Zur Verteidigung der Kinder in Oshipeto sei gesagt, dass es natuerlich ziemlich bloede und naiv von uns gewesen ist, das Kuechenfenster aufzulassen, auch wenn unser kleines Kuechenfenster nicht seitwaerts sondern vertikal zu oeffnen ist, was den Einstieg erstmal ziemlich schwierig gemacht haben sollte.
Die Kinder kriegen allerdings nur drei feste Mahlzeiten am Tag, die sich aus Poragge (eine Art zaeher Griesbrei mit dem Gefuehl auf Sand herum zu kauen) und wahlweise Spinat oder einer undefinierbaren Sosse zusammensetzen. In Deutschland koennten wir die "Verleitung zum Diebstahl" wohl nicht abstreiten... 

Soweit aus dem aber sonst sehr friedlichen Oshipeto,

Fredi

Samstag, 31. Oktober 2009

Neues aus Sueden


Wie ich mir von dem ein oder anderen bereits anhoeren musste, erweckt mein Blog den Eindruck, als sei ich etwas schreibfaul. Bloedsinn! Wie gerne wuerde ich taeglich ueber all die kleinen Ereignisse berichten, die sich bei uns im Busch so ereignen. Das wird durch den Umstand der Stromlosigkeit aber relativ schwierig.
Im Umkehrschluss muesste ich ja dann, wenn ich mal ins Internet komme, umso mehr zu berichten haben, allerdings zaehlen die meisten Ereignisse schon zu den ueblichen Alltagsquerelen und ausschliesslich situationskomischen Momenten, mit denen ich euch nicht langweilen will.
Daher hier die Kurzfassung des Neuesten vom Neuesten:

Dank unserer krankthaften Sucht, taeglich Innovationen durch handwerkliche Kreativitaet zu produzieren, wird unser Guesthouse immer wohnlicher. Neuste Innovation ist eine preparierte Wasserflasche, die die paar Tropfen aus der manchmal funktionierenden Dusche auffaengt , buendelt und so eine Idee von einer Dusche in unser Badezimmer zaubert. Der pure Wahnsinn, wenn man sich sonst immer mit 1-2 Eimern Wasser ueber den Kopf schuetten musste.
Auch die Solarpennels, die zu schwach fuer Beleuchtung etc. sind, aber stark genug fuers Handy-, Mp3-Player und Kameraaufladen, haben wir mittlerweile fuer uns entdeckt, was die "Stromlosigkeit" erheblich angenehmer macht und eigentlich auch egalisiert.
Ausserdem war ich just gestern beim Schuldirektor der "Oshipeto Primary School" und habe mit ihm vereinbart, dass ich ab naechster Woche Freitag Englisch und Mathe in den Klassen 5,6 und 7 unterrichte. Wie im letzten Blogeintrag geschrieben, sollte das eigentlich schon eher unter Dach und Fach kommen, aber der African Way of Life macht einem da manchmal einen Strich durch die Rechnung.

Ansonsten sind wir derzeit zu echten Taxifahrern aufgestiegen und fahren die Schwestern in umliegende Missionen, zum Supermarkt nach Tsandi oder Outapi (30 bzw. 60km entfernt) oder einige der Kinder ins Krankenhaus nach Tsandi.
Auch mich hat kuerzlich die afrikanische Volkskrankheit "Husten und Schnupfen" eingeholt, doch nach meinem Besuch in einer Privatklinik und entsprechenden Medikamenten, war ich nach ein paar Tagen wieder fit fuer die afrikanische Entspanntheit.
Die Kinder, bei denen der Husten und Schnupfen immer mal wieder zur Tuberkulose mutiert, muessen entsprechend regelmaessig nach Tsandi gefahren werden und man fragt sich bei Zeiten, was die Aerzte da eigentlich genau mit ihnen machen. Neulich berichtete Christoph, als er einen kurzen Blick ins Behandlungszimmer erhaschen konnte, dass Arzt, Schwestern und Kind gemeinsam Fernsehen gucken wuerden. Wahrscheinlich war es ein Infofilm war, vielleicht sogar einer zum Thema HIV, aber trotzdem fragt man sich, wieso die Klinik nicht mit persoenlicher Beratung oder Brochueren arbeitet, die zeitsparender und langfristiger sind. Man weiss es nicht... Man kann sich aber ein Bild davon machen, warum die Kinder immer halbe Ewigkeiten im Behandlungszimmer verbringen.

"Wo gehobelt wird, fallen Spaehne.", das is richtich!
Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der klapprige Minibus, mit dem wir immer unterwegs sind, seit letzter Woche mit einer Delle mehr und einem Ruecklicht weniger umher irrt.
Ich hatte schon vor meinem Ausparkmanoever bemerkt, dass der LKW ziemlich beschissen geparkt und vermutlich stabiler war, als unsere Klapperkiste aus der Kolonialzeit.
Nach einem vielsagenden Blick in die imaginaeren Augen des unbemannten LKWs, war fuer beide Parteien klar, dass hier keiner mehr so einfach seiner Wege fahren konnte. Ich stieg also zusammen mit einer kritisch drein blickenden Schwester ins Gefaehrt und bemerkte ihren noch kritischeren Blick, als es laut rumste und sich der Bullenfaenger des LKW mit unserem Ruecklicht vereinigt hatte. Da machse erstmal gar nichts...
Der Bullenfaenger aus Stahl war natuerlich nicht ansatzweise beschaedigt, sodass ich mit getruebter Verlierermiene und einer etwas erschuetterten Ordensschwester das Weite suchte.

Neben solch hartem Tobak, verbringen wir viel Zeit damit, die Anlagen in Oshipeto zu reparieren, etwa die Dachrinnenkonstruktionen zu erneuern oder ein herunter gekommenes Gebaeude zu restaurieren. Die Restauration ist ein laengerfristiges Projekt, weil wir die eine Haelfte der 7 auf 9m grossen Bruchbude abreissen muessen. Klevererweise hat man naemlich in der Bauphase in eine Haelfte mit Sand gefuellte Glasflaschen eingemauert, die tatsaechlich bis zum heutigen Tage diese eine Haelfte stabil gehalten haben. Die andere Haelfte hingegen ist von Rissen durchkreuzt, sodass es einem Attentat gleich kaeme, Kinder dort schlafen zu lassen.
Hintergrund der Restauration sind die hoffnungslos ueberfuellten Jungs- und Maedelshostels, in denen 8-10 Kinder auf 13qm hausen. Allerdings wird die Zahl der Kinder fuer naechstes Jahr nochmal aufgestockt, sodass die zusaetzlich entstehenden Raeume vermutlich keine Entlastung bringen sondern lediglich den Status Quo erhalten.

Wie ich so schreibe, stelle ich fest, dass die "Kurzfassung" gar nicht so kurz ist. Wenigstens ist dafuer das Thema der Schreibfaeule nun entgueltig vom Tisch! :) Und weiter geht das...

Anfang letzter Woche erreichte uns die Nachricht, dass eine der Schwestern in Oshikuku, dem Hauptsitz der Schwestern des Benedictinerordens, nach langdem Kampf mit Krebs gestorben ist. So fuhren Christoph, die Schwestern und ich fuer Dienstag und Mittwoch an unsere alte Wirkungsstaette zurueck, in der wir schon unsere erste Nacht nach unserer Ankunft im Norden verbracht hatten.
Es ging direkt schaurig los, als ein missmutiger, hektischer und selten taktloser Pathologe die Pforten zu seinem Reich oeffnete, in dem die Schwester in einem Sarg aufgebarrt lag. Zusammen mit ca. 50 anderen Schwestern schlichen wir hinein und nahmen zwischen zwei Leichenkuehlschraenken und unter der Aufsicht des immer noch missmutig aussehenden Pathologen Abschied von der Schwester. Gerade weil wir die Schwester gar nicht kannten, war es ein seltsames Gefuehl zwischen all den trauernden Menschen zu stehen, waehrend einige der Schwestern immer wieder heftig in Traenen ausbrachen.
Es folgte ein zweistuendiger Gottesdienst, in dem unzaehlige Schwestern zu Ehren der Verstorbenen sangen und beteten. Anschliessend versammelten sich alle vor dem Schwesternhaus in Oshikuku und es war mit ploetzlich so, als sei man auf einen Plausch beisammen. Es gab Getraenke und wir unterhielten uns mit Schwestern und anderen Trauergaesten bis zum Abend.
Am naechsten Morgen folgte dann die Beisetzung mit vorangehendem Gottesdienst. Auf dem nahe gelegenen Schwesternfriedhof versammelten sich rund 100 Trauergaeste, die meisten davon Schwestern, um das Grab der Verstorbenen sangen unermuedlich. Unfassbar unverschaemt und taktlos - zumindest nach europaeischen Konventionen - erschienen dabei die fuenf Friedhofsgaertner, die keine zwei Meter hinter der Trauergemeinde lautstark ein Zelt aufbauten und Sand- und Zementsaecke klangvoll neben dem Grab zu Boden gehen liessen. Aber irgendwie schien niemand besonderen Anstoss daran zu nehmen.
Im Unterschied zur Deutschen Zeremonie, wird das Grab der Verstorbenen in Namibia vor den Augen der Trauergemeinde bis zu seiner entgueltigen Erscheinung prepariert. Das schliesst auch Bauarbeiten mit Zement, Hammer, Wasserwage und Spaten mit ein, sodass die Stimmung als Unbeteiligter ziemlich schnell von Trauer in Ungedult umschwaengt. Die Zeremonie, samt Kirche und Beisetzung, dauerte von 7:30 bis 12:00Uhr, sodass man danach wirklich fertig war. Ich schaetze, dass das Precedere bei Ordensschwestern noch ein bisschen ausgeweiteter ist, als bei "Normalsterblichen", nichts desto trotz nehmen sich die Namibier scheinbar mehr Zeit fuer ihre Toten, als die Deutschen. Jetzt aber nicht den Kopf haengen lassen, wir haben andere Staerken...

Ich denke das war's erstmal aus Oshipeto und Umgebung. Ich melde mich die Tage wieder, bis dahin!

Fredi





Freitag, 16. Oktober 2009

Bilder

So Freunde,

da wir erfreulicherweise doch relativ regelmaessig in den Genuss einer stabilen und schnelleren Internetverbindung kommen, habe ich die Moeglichkeit genutzt, um einige meiner Schnappschuesse hochzuladen. In den kommenden Wochen werde ich die Alben immer mal wieder ergaenzen.
Der findige Internetnutzer kann den "Picasa Photostream" links in der Taskleiste erspaehen. Um zwischen den drei hochgeladenen Fotoalben waehlen zu koennen, muesst ihr auf "Galerie Frederik Bitzer" klicken. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Gruss,

Fredi

Dienstag, 8. September 2009

Die Spannung steigt!

So Freunde, so langsam wird das ernst. Heute tagt die Bande, die ueber unser weiteres Verbleiben in Namibia entscheidet, uns also einer Work-Permit (Arbeitserlaubnis) bemaechtigt, oder auch nicht. Die Chancen stehen ganz gut, trotzdem wollte man uns nicht 100% versprechen, dass alles nach Plan verlaeuft. Ein bisschen Herzklopfen ist also weiterhin dabei...
So oder so werden wir aber bis mindestens Donnerstag in unserem Domizil nahe dem Schwesternhaus und der Kirche verbleiben, da wir schliesslich das morgige Qualifikationsspiel (Deutschland - Aserbaidschan) nur ungerne verpassen wuerden.

So far,

Fred the Head

Sonntag, 6. September 2009

'sch bin in Windhuk

So, nach dem Flug nach Windhuk, ueber London und Johannesburg, sind wir endlich am Freitag um kurz nach 12Uhr mittags (also 11Uhr in Deutschland) gelandet. Der erste Eindruck war ein Schock, da der Flughafen Windhuks mitten im Nichts liegt. So kam es dann auch, dass unser Flugzeug das einzige war, das auf dem Rollfeld stand, ein winziger Flughafen also. Nach dem Auschecken erzaehlte unser Taxifahrer Winfried uns dann aber dankenswerterweise, dass Windhuk 45km weiter westliche laege, umgeben von Bergen, weswegen der Flughafen soweit ausserhalb ist. Windfried schmiss uns dann beim Schwesternhaus der Benedictinerschwestern raus, wo wir sofort herzlich empfangen worden sind. Nun werden wir dort bis Mittwoch schlafen und essen koennen und bekommen unterstuetzung bei der Arbeitsvisumsbeschaffung. Eine der Schwestern ist mitverantwortlich dafuer... Es gibt bisland aber noch ein zwei Unklarheiten, weswegen es im Moment erstmal Abwarten und Tee trinken heisst.
So konnten wir bisland schon Windhuk begutachten und an einer deutschen Messe teilnehmen, in der uns der deutsche Priester nach vorne bat und uns der Gemeinde vorstellte. Ein netter Kerl!
Vielleicht nutzen wir die ueberschuessige Zeit in den naechsten Tagen dazu, nach Swakopmund zu fahren und das beschauliche Staedtchen an der Atlantikkueste zu bestaunen. Allerdings ist noch kein Transportmittel gefunden, wer also kurzfristig hinfaehrt, einfach kurz durchklingeln lassen...

Soweit aus Windhuk,

Fredi

Sonntag, 30. August 2009

Gesegnet ins neue Jahr


Nachdem ich vor einigen Wochen durch Weihbischof König in Paderborn gesegnet worden bin, ist mir am heutigen Sonntag auch der Segen meiner Heimatgemeinde mit auf den Weg gegeben worden.
Erst letzte Woche wendete ich mich telefonisch an meine Heimatgemeinde und bin recht spontan in das heutige Gemeindefest mit eingebunden worden. Ich bekam die Möglickeit mich und mein Projekt vor der Gemeinde vorzustellen und wurde zu guter Letzt auch noch mit einem Segen und einem Gastgeschenk, einer Kerze mit Grüßen aus Aplerbeck an die Gemeinde in Namibia, bedacht. Vielen, vielen Dank für die spontane und unbürokratische Unterstützung! Besonders danken möchte ich Frau Keppler, die mir letzte Woche ein offenes Ohr im persönlichen Gespräch geschenkt hat, mich segnete und mir finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde in Aussicht stellt!

Dienstag, 25. August 2009

Mein Projekt


Mein Projekt befindet sich im Norden Namibias an der Grenze zu Angola, also mitten im Busch. Oshipeto besteht aus vereinzelt bewohnten Flächen, Kneipen und dem Oshipeto Convent mit angeschlossenem Kindergarten. Dort werde ich mit Kindern zwischen 5 und 20 Jahren arbeiten. Die breitgefächerte Altersgruppen resultieren aus der nicht allzu starren Schulpolitik im Busch Namibias.
Genauer gesagt werde ich zusammen mit meinem Partner Christoph, den bereits unterrichtenden Lehreren assistieren und später auch selber unterrichten. Unterrichtet wird auf Englisch, obwohl die gängige Sprache im Owamboland - so heißt die Region des nördlichen Namibias - Oshiwambo ist: Ein Mix aus Holländisch, Englisch, Deutsch und Afrikaans.
Da die Schule ein Convent, also ein Kloster ist, kommt hier der religiöse Aspekt im Alltag sicher nicht zu kurz. Auch wenn das auf mich erst mal befremdlich wirkte, nicht zuletzt weil mein "heimischer" Alltag eher wenig mit Jesus und seinen Jüngern zu tun hatte, freue ich mich dennoch darauf. Die afrikanische Kirche ist den Berichten der schon dort gewesenen Deutschen um einiges erfrischender und abwechselungsreicher als der ein oder andere Gottesdienst in Deutschland.
Christoph ist übrigens auch Deutscher und kommt aus Rüthen, nähe Paderborn. Er hat im Mai dieses Jahres seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen und hat sich ebenfalls (relativ spontan) für das Projekt in Oshipeto begeistern können. Auch wenn wir nicht die ersten Deutschen/ Europäer sind, die am Alltag in Oshipeto teilhaben dürfen, ist es doch für jede Generation aufs Neue eine Herausforderung ein Jahr ohne konstanten Strom und fließend Wasser auszukommen! Handys, Kameras etc. werden über eine Autobatterie geladen, das Wasser muss morgens frisch aus einem Brunnen geholt werden - aber es funktioniert!
Die Nachmittagsgestaltung setzt sich zusammen aus betreutem Hausaufgaben erledigen und Freizeit, welche sich unter anderem durch Fußballern auszeichnet! :) Da ich aber bisher noch keine allzu konkrete Vorstellung von sonstigen Freizeitmöglichkeiten habe, die es aber zweifelsohne in vielfältiger Weise gibt, werde ich an anderer Stelle zu anderer Zeit noch mal darüber berichten...

Montag, 10. August 2009

Vorbereitungen über Vorbereitungen


Ein Entwicklungsdienst im Ausland ist sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis nicht ganz so unkompliziert, wie man sich das vielleicht vorstellen mag. Zum einen gilt es einen passender Träger, also eine Organisation zu finden, die einen in genau das Land schickt, in dem man sich gerne sozial austoben möchte. Zum anderen hat jede einzelne Organisation individuell gestaltete Bewerbungsverfahren. Die meisten verlangen ein ausführliches Motivationsschreiben, Nachweise über bisheriges soziales Engagement und den Aufbau eines Spenderkreises für das bevorstehende Projekt. Andere ein mehrtägiges Praktikum in einem Dritte Welt-Laden.

Nachdem ich mehrere Wochen damit verbracht habe, mir einen Überblick über die in ganz Deutschland angesiedelten Organisationen zu verschaffen, ging mir der Überblick langsam aber sicher verloren. Wo habe ich schon angerufen? Welche Organisation schließt sich durch meine eigenen Vorstellungen kategorisch aus und welcher Träger bietet den Entwicklungsdienst als "anderen Dienst im Ausland", also als Zivildienst an!? Ganz schön viele Dinge, mit denen man sich auf einmal auseinander setzen muss.

Irgendwann aber stieß ich via Internet auf den Mundus eine Welt e.V., ein Referat des Bistums Paderborn. Mein erstes Gespräch mit Paderborn, genauer gesagt dem Referatsleiter und Vorstandsmitglied Ullrich Klauke, ging dann auch direkt mal in die Hose. Ich leierte meine mittlerweile schon eingebrannte Begrüßung herunter und erfuhr nach den ersten konkreten Fragen von Herrn Klauke, was es heißt unvorbereitet in so ein Gespräch zu gehen.
Andere Träger hatten mich bisher mit "Da werfen Sie am besten erstmal einen Blick auf unseren Internetauftritt..." abgespeist. Das Gespräch mit Ullrich Klauke endete dann aber trotzdem positiv, denn er lud mich zum Vorstellungswochenende nach Paderborn ein. Dort lernte ich dann mein heutiges Projekt kennen, das Oshipeto Convent im Norden Namibias, an der Grenze zu Angola.

Dem folgte neben zahlreichen Treffen mit anderen Freiwilligen, insbesondere den Leuten, die schon in meinem Projekt gearbeitet haben, das fid-Vorbereitungsseminar in Bonn. Die fid (Freiwillige Internationale Dienste) ist eine in Köln ansässige Organisation, die FSJ-tler und andere Freiwillige im Ausland in einem 10 Tägigen Seminar auf die bevorstehende Aufgabe vorbereitet. Ein uneingeschränkt geiler Verein, der weiß was er macht und mir unglaublich wertvolle 10 Tage mit auf den Weg gegeben hat!

Auch wenn ich im Vorhinein kein allzu großer Freund von Seminaren und Selbstfindungsgruppen war, haben sich wirklich alle vorbereitenden Wochenenden, Treffen und Seminare 100%ig gelohnt und mir eine Idee von dem Vermittelt, auf was ich mich da eingelassen habe. Bisher kann ich sagen: „Schöne Sache, ich freu mich drauf!“
J

Dienstag, 4. August 2009

"... und warum ausgerechnet Namibia!?"


... ist meistens die erste und am häufigsten gestellte Frage.
Die Antwort ist nicht sonderlich ruhmreich, denn eigentlich war Namibia gar nicht geplant.
Der Grund dafür ist wahrscheinlich auch der Grund für diese erste Frage. Namibia ist ein recht unscheinbares Land, das in unseren Nachrichten kaum durch Revolutionen, Anarchie oder Bürgerkriege von sich Reden macht. Stattdessen steht es zumindest im geographischen Schatten von Südafrika, mit dem jeder was anfangen kann. Und genau dieses Unscheinbare macht Namibia so interessant, denn es ist ein Land, das seit 1990 seine stabile Demokratie pflegt und im Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern sehr sicher ist.
Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mir diese Details erst dann aufgefallen waren, als ich schon mit dem Projekt in Namibia vertraut war, also eher Zufall als Kalkül, dass ich höchstwahrscheinlich nicht auf offener Straße erschossen werde.

Mein erstes Ziel für den Zivildienst im Ausland war Australien, der Kontinent der Surfen, der im Einklang mit der Natur lebt und so... Leider musste ich recht schnell feststellen, dass die wenigen Plätze, die eine Zivildienstanerkennung haben, schon lange vergeben waren.
Anschließend liebäugelte ich mit anderen Plätzchen der Erde, zum Beispiel Nord Amerika, oder Kanada. Aufällig ist, dass es mir erstmal so ging, wie vielen anderen auch. "Hauptsache ein Land des Westens, das nach den bekannten Maßstäben zivilisiert ist und einen bodenständigen Job anzubieten hat." Erst als ich merkte, dass gerade in solchen Ländern die Zivildienststellen rahr sind, nahm ich mich auch dem mit unendlich vielen Vorurteilen belasteten Afrika an. Dort ist es -wer hätte das gedacht? - bedeutend leichter an anerkannte Stellen zu kommen.
Es folgte der Kontakt zum Bistum Paderborn bzw. zum Mundus eine Welt e.V., das Bewerbungsverfahren und die Bekanntmachung mit dem Land der Elefanten. Im Nachhinein bin ich froh letztendlich in Afrika gelandet zu sein. Nicht, dass die anderen Länder nicht auch ihre Reize hätten, aber sie sind wie gesagt eher westlich, d.h. entsprechen in groben Zügen dem, was ich schon kenne. Das ist in Namibia sicher nicht Fall!