Wie ich mir von dem ein oder anderen bereits anhoeren musste, erweckt mein Blog den Eindruck, als sei ich etwas schreibfaul. Bloedsinn! Wie gerne wuerde ich taeglich ueber all die kleinen Ereignisse berichten, die sich bei uns im Busch so ereignen. Das wird durch den Umstand der Stromlosigkeit aber relativ schwierig.
Im Umkehrschluss muesste ich ja dann, wenn ich mal ins Internet komme, umso mehr zu berichten haben, allerdings zaehlen die meisten Ereignisse schon zu den ueblichen Alltagsquerelen und ausschliesslich situationskomischen Momenten, mit denen ich euch nicht langweilen will.
Daher hier die Kurzfassung des Neuesten vom Neuesten:
Dank unserer krankthaften Sucht, taeglich Innovationen durch handwerkliche Kreativitaet zu produzieren, wird unser Guesthouse immer wohnlicher. Neuste Innovation ist eine preparierte Wasserflasche, die die paar Tropfen aus der manchmal funktionierenden Dusche auffaengt , buendelt und so eine Idee von einer Dusche in unser Badezimmer zaubert. Der pure Wahnsinn, wenn man sich sonst immer mit 1-2 Eimern Wasser ueber den Kopf schuetten musste.
Auch die Solarpennels, die zu schwach fuer Beleuchtung etc. sind, aber stark genug fuers Handy-, Mp3-Player und Kameraaufladen, haben wir mittlerweile fuer uns entdeckt, was die "Stromlosigkeit" erheblich angenehmer macht und eigentlich auch egalisiert.
Auch die Solarpennels, die zu schwach fuer Beleuchtung etc. sind, aber stark genug fuers Handy-, Mp3-Player und Kameraaufladen, haben wir mittlerweile fuer uns entdeckt, was die "Stromlosigkeit" erheblich angenehmer macht und eigentlich auch egalisiert.
Ausserdem war ich just gestern beim Schuldirektor der "Oshipeto Primary School" und habe mit ihm vereinbart, dass ich ab naechster Woche Freitag Englisch und Mathe in den Klassen 5,6 und 7 unterrichte. Wie im letzten Blogeintrag geschrieben, sollte das eigentlich schon eher unter Dach und Fach kommen, aber der African Way of Life macht einem da manchmal einen Strich durch die Rechnung.
Ansonsten sind wir derzeit zu echten Taxifahrern aufgestiegen und fahren die Schwestern in umliegende Missionen, zum Supermarkt nach Tsandi oder Outapi (30 bzw. 60km entfernt) oder einige der Kinder ins Krankenhaus nach Tsandi.
Auch mich hat kuerzlich die afrikanische Volkskrankheit "Husten und Schnupfen" eingeholt, doch nach meinem Besuch in einer Privatklinik und entsprechenden Medikamenten, war ich nach ein paar Tagen wieder fit fuer die afrikanische Entspanntheit.
Auch mich hat kuerzlich die afrikanische Volkskrankheit "Husten und Schnupfen" eingeholt, doch nach meinem Besuch in einer Privatklinik und entsprechenden Medikamenten, war ich nach ein paar Tagen wieder fit fuer die afrikanische Entspanntheit.
Die Kinder, bei denen der Husten und Schnupfen immer mal wieder zur Tuberkulose mutiert, muessen entsprechend regelmaessig nach Tsandi gefahren werden und man fragt sich bei Zeiten, was die Aerzte da eigentlich genau mit ihnen machen. Neulich berichtete Christoph, als er einen kurzen Blick ins Behandlungszimmer erhaschen konnte, dass Arzt, Schwestern und Kind gemeinsam Fernsehen gucken wuerden. Wahrscheinlich war es ein Infofilm war, vielleicht sogar einer zum Thema HIV, aber trotzdem fragt man sich, wieso die Klinik nicht mit persoenlicher Beratung oder Brochueren arbeitet, die zeitsparender und langfristiger sind. Man weiss es nicht... Man kann sich aber ein Bild davon machen, warum die Kinder immer halbe Ewigkeiten im Behandlungszimmer verbringen.
"Wo gehobelt wird, fallen Spaehne.", das is richtich!
Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der klapprige Minibus, mit dem wir immer unterwegs sind, seit letzter Woche mit einer Delle mehr und einem Ruecklicht weniger umher irrt.
Ich hatte schon vor meinem Ausparkmanoever bemerkt, dass der LKW ziemlich beschissen geparkt und vermutlich stabiler war, als unsere Klapperkiste aus der Kolonialzeit.
Nach einem vielsagenden Blick in die imaginaeren Augen des unbemannten LKWs, war fuer beide Parteien klar, dass hier keiner mehr so einfach seiner Wege fahren konnte. Ich stieg also zusammen mit einer kritisch drein blickenden Schwester ins Gefaehrt und bemerkte ihren noch kritischeren Blick, als es laut rumste und sich der Bullenfaenger des LKW mit unserem Ruecklicht vereinigt hatte. Da machse erstmal gar nichts...
Der Bullenfaenger aus Stahl war natuerlich nicht ansatzweise beschaedigt, sodass ich mit getruebter Verlierermiene und einer etwas erschuetterten Ordensschwester das Weite suchte.
Neben solch hartem Tobak, verbringen wir viel Zeit damit, die Anlagen in Oshipeto zu reparieren, etwa die Dachrinnenkonstruktionen zu erneuern oder ein herunter gekommenes Gebaeude zu restaurieren. Die Restauration ist ein laengerfristiges Projekt, weil wir die eine Haelfte der 7 auf 9m grossen Bruchbude abreissen muessen. Klevererweise hat man naemlich in der Bauphase in eine Haelfte mit Sand gefuellte Glasflaschen eingemauert, die tatsaechlich bis zum heutigen Tage diese eine Haelfte stabil gehalten haben. Die andere Haelfte hingegen ist von Rissen durchkreuzt, sodass es einem Attentat gleich kaeme, Kinder dort schlafen zu lassen.
Hintergrund der Restauration sind die hoffnungslos ueberfuellten Jungs- und Maedelshostels, in denen 8-10 Kinder auf 13qm hausen. Allerdings wird die Zahl der Kinder fuer naechstes Jahr nochmal aufgestockt, sodass die zusaetzlich entstehenden Raeume vermutlich keine Entlastung bringen sondern lediglich den Status Quo erhalten.
Wie ich so schreibe, stelle ich fest, dass die "Kurzfassung" gar nicht so kurz ist. Wenigstens ist dafuer das Thema der Schreibfaeule nun entgueltig vom Tisch! :) Und weiter geht das...
Anfang letzter Woche erreichte uns die Nachricht, dass eine der Schwestern in Oshikuku, dem Hauptsitz der Schwestern des Benedictinerordens, nach langdem Kampf mit Krebs gestorben ist. So fuhren Christoph, die Schwestern und ich fuer Dienstag und Mittwoch an unsere alte Wirkungsstaette zurueck, in der wir schon unsere erste Nacht nach unserer Ankunft im Norden verbracht hatten.
Es ging direkt schaurig los, als ein missmutiger, hektischer und selten taktloser Pathologe die Pforten zu seinem Reich oeffnete, in dem die Schwester in einem Sarg aufgebarrt lag. Zusammen mit ca. 50 anderen Schwestern schlichen wir hinein und nahmen zwischen zwei Leichenkuehlschraenken und unter der Aufsicht des immer noch missmutig aussehenden Pathologen Abschied von der Schwester. Gerade weil wir die Schwester gar nicht kannten, war es ein seltsames Gefuehl zwischen all den trauernden Menschen zu stehen, waehrend einige der Schwestern immer wieder heftig in Traenen ausbrachen.
Es folgte ein zweistuendiger Gottesdienst, in dem unzaehlige Schwestern zu Ehren der Verstorbenen sangen und beteten. Anschliessend versammelten sich alle vor dem Schwesternhaus in Oshikuku und es war mit ploetzlich so, als sei man auf einen Plausch beisammen. Es gab Getraenke und wir unterhielten uns mit Schwestern und anderen Trauergaesten bis zum Abend.
Am naechsten Morgen folgte dann die Beisetzung mit vorangehendem Gottesdienst. Auf dem nahe gelegenen Schwesternfriedhof versammelten sich rund 100 Trauergaeste, die meisten davon Schwestern, um das Grab der Verstorbenen sangen unermuedlich. Unfassbar unverschaemt und taktlos - zumindest nach europaeischen Konventionen - erschienen dabei die fuenf Friedhofsgaertner, die keine zwei Meter hinter der Trauergemeinde lautstark ein Zelt aufbauten und Sand- und Zementsaecke klangvoll neben dem Grab zu Boden gehen liessen. Aber irgendwie schien niemand besonderen Anstoss daran zu nehmen.
Im Unterschied zur Deutschen Zeremonie, wird das Grab der Verstorbenen in Namibia vor den Augen der Trauergemeinde bis zu seiner entgueltigen Erscheinung prepariert. Das schliesst auch Bauarbeiten mit Zement, Hammer, Wasserwage und Spaten mit ein, sodass die Stimmung als Unbeteiligter ziemlich schnell von Trauer in Ungedult umschwaengt. Die Zeremonie, samt Kirche und Beisetzung, dauerte von 7:30 bis 12:00Uhr, sodass man danach wirklich fertig war. Ich schaetze, dass das Precedere bei Ordensschwestern noch ein bisschen ausgeweiteter ist, als bei "Normalsterblichen", nichts desto trotz nehmen sich die Namibier scheinbar mehr Zeit fuer ihre Toten, als die Deutschen. Jetzt aber nicht den Kopf haengen lassen, wir haben andere Staerken...
Ich denke das war's erstmal aus Oshipeto und Umgebung. Ich melde mich die Tage wieder, bis dahin!
Fredi