Ein Rückblick auf den ereignisreichen Jahresstart 2010
Freunde, ich lebe noch!
Seit wir vor ca. anderthalb Wochen im bis dahin noch jungfräulichen Jahr 2010 aufgebrochen sind, hat sich eine ganze Menge getan.
Moremi Wildlife Reserve, Botswana:
Nachdem wir im "Old Bridge Backpackers" in Maun eine entspannte Zeit hatten, war es an der Zeit die Zelte zusammenzuklappen und in andere, unbekannte Sphaeren aufzubrechen. In diesem Fall liegt die unbekannte Sphaere 80km noerdlich von Maun und ist ein Game Reserve, in dem es einen Haufen wilder Tiere, vor allem Elephanten geben sollte.
Unsere Gruppenstaerke hatte sich inzwischen von 7 auf 11 Wildlife-Touris erhoeht. Zwei mit einander herum reisende Ehepaare aus Berlin hatten sich uns im Backpackers angeschlossen, weil sie fuerchteten mit nur einem 4x4-Wagen auf den teilweise sumpfigen Pfaden Moremis stecken zu bleiben und nicht wieder heraus gezogen werden zu koennen - nicht ganz unberechtigt, wie sich noch herausstellen sollte.
Wir fuhren also mit unseren beiden 4x4-Muellhaufen und dem deutlich besseren Auto der Berliner in Kolonne zum Park und wurden schon durch "Achtung Elefanten"-Strassenschilder auf das Kommende eingestimmt. Im Park angekommen, ging's dann von unserer Camp Site direkt auf den ersten Erkundungstrip durch den Park.
Dazu muss Folgendes gesagt werden: Waehrend die Berliner einen externen Ansaugstutzen an ihrem Fahrzeug wissen, d.h. auch durch bis zu den Fenstern stehendes Wasser fahren koennen, haben unsere Karren weder externen Ansaugstutzen noch weniger als 300.000 bzw. 380.000 km weg. Als der Autovermieter bei der Autoauswahl meinte: "Entweder ihr kriegt gebrauchte Autos mit der einen oder anderen Macke guenstig oder Top-Autos fuer einiges mehr", hatte er sicher nicht uebertrieben. 430 Nam$ (40 Euro) pro Tag pro Auto sind fuer solcherlei Autos tatsaechlich sehr guenstig. Allerdings ist die "ein oder andere Macke" ein knallharter Euphemismus im Vergleich zu dem, was wir schon erleben durften: die Armaturen fallen ab, 3 von 4 Dachzelten sind undicht, die Tachoanzeige flimmert wie das Herz einer hundertunddrei Jaehrigen und einer der insgesamt 8 Reifen muss morgens erstmal wieder aufgepumt werden - sorgenfrei reisen geht anders!
Wie auch immer, schon auf dem Weg zum Moremi hatten uns drei im Gebuesch stehende Elefanten Lust auf mehr gemacht, sodass wir frohen Mutes in das Schlammbecken von Moremi aufbrachen.
Wie sieht eigentlich so ein Wildlife Reserve/ National Park von Innen aus?
Das kommt in erster Linie auf die Tourifrequenz an: Viel besuchte Parks, wie zum Beispiel der Etosha National Park in Namibia, haben ein gut ausgebautes und beschildertes Strassennetzwerk, wobei die Strassen meist aus aufgeschuetteten Schotter bestehen. Weniger frequentierte Parks, wie zum Beispiel das Moremi Reserve, haben dagegen Sandpisten, die in der Regenzeit (die gerade begonnen hat) schneller Wasserloecher bilden und so leichter zum Verhaengnis fuer durchfahrende Fahrzeuge werden.
So fuhren wir also in unserer Kolonne querfeldein und bekamen unter anderem Zebras, Impalas (dem Reh verwandt), Hippos (um Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, leider nur von weitem) und die Koenige der Massen: Elefanten, zu sehen. Eigentlich sollten auch Loewen, Leoparden und Geparden zu sehen sein, aber die exklusivere Belegschaft hielt es nicht fuer noetig vor die Linsen zu treten. Der herein brechende Abend sorgte dafuer fuer Highlights im Fotoalbum.
Gerade hatten wir uns von den planschenden Hippos verabschiedet, da erspaehten wir in weiter Ferne eine Elefantenherde von vielleicht 50 Tieren. Da die Laufrichtung vermuten liess, dass die schweren Gesellen auf dem Weg zu dem Wasserloch waren, von dem wir gerade kamen, fuhren wir auf Umwegen zurueck zum Loch. Was dann aber hinter der naechsten Kurve wartete, rettete den Wildlife-Trip und beschleunigte den Herzschlag.
Die bereits erspaehten Elefanten waren offensichtlich nur ein Teil einer viel groesseren Herde gewesen, denn nun standen direkt vor uns nochmal an die 50 Tiere, die sich teilweise an Baeumen rieben, diese Umschmissen oder in Pfuetzen planschten.
So idyllisch eine Elefantenherde auch wirken mag, so gefaehrlich kann sie werden. Ich spare mir an dieser Stelle all die Horrorgeschichten, die sich unterwegs um wild gewordene Elefanten und ihre (menschlichen) Opfer zusammengetragen haben. Auf jeden Fall hatte ich sie in diesem Augenblick alle parat.
Da ich mit Christoph und Dominik im vordersten Auto sass, rechts von uns Busch war und vor und links neben uns Elefanten waren, hatten wir mit den anderen beiden Autos hinter uns keinen echten Fluchtweg. Und wie das so ist mit drei echten Kerlen in einem Auto, das von einer Herde Elefanten umgeben ist, bricht natuerlich Hysterie aus. Von Saetzen, wie "Und wenn die jetzt Panik kriegen und ueber uns drueber rennen?", ueber "Wenn der noch einen Schritt naeher kommt steig ich aus und renn weg!", bis "Hat der uns gerade angeknurrt?!", war alles dabei...
Irgendwie konnten wir uns dann aber doch gegenseitig beruhigen und dem Zwang der Maennlichkeit gehorchend durch die Elefantenherde hindurch fahren. Mit 0,1 km/h und einem Puls von 200 Schlaegen pro Minute ging es dann voran in den sicher geglaubten Tod durch Elefanten. Teilweise waren die Tiere nur 10m von unserem Auto entfernt, sodass die Kamera selten Pause hatte (Fotos folgen).
Nach gefuehlten 6 Stunden war dann auch das letzte Vieh von der Strasse und wir traten im hereinbrechenden Sonnenuntergang den Heimweg zur Camp Site an, nicht. Denn kaum hatten wir die ersten (teils 1m tiefen) Wasserloecher passiert, streikte der Motor des anderen 4x4-Haufens. So standen wir also zusammen ueber den Motorblock gebaeugt, inmitten des Moremi (!) Wildlife Reserves und bemerkten, wie die Distanz zwischen Po und Grundeis immer kleiner wurde.
Bei dieser Gelegenheit moechte ich mich kurz selbst zitieren, um den Leser auf die Ursache dieses Fauxpas' aufmerksam zu machen: "Waehrend die Berliner einen externen Ansaugstutzen an ihrem Auto wissen, d.h. auch durch bis zu den Fenster stehendes Wasser fahren koennen, haben unsere beiden Muellhaufen [keinen] Ansaugstutzen (d.h. wir koennen nicht durch hoeheres Wasser fahren)". So haengten wir das Problemauto an den Haken der Berliner und schleppten uns feucht-froehlich gen Camp Site, wo wir im Dunkeln ankamen.
Zwischen Zelteaufbauen und Feuermachen verteilte Petra, eine der Berlinerinnen, schonmal eifrig Schnaps, sodass der Adrenalinspiegel wieder langsam Richtung Talsohle steuerte.
Irgendwann sassen wir dann bei Feuer und Wiskey zusammen und quatschten ueber Gott und Elefanten, als eine der Frauen aufschrie (vielleicht waren es auch Dominik oder Christoph, ich glaube ich war es nicht). Ein Rudel Hyaenen hatte sich an unser Lage angeschlichen. Auch hier spare ich mir all die Horrorgeschichten, die sich in den folgenden Tagen zusammen getragen haben. Gesagt sei lediglich, dass Hyaenen nicht nur dumme Sprueche reissen und die duemmste Hyaene im Rudel mobben, wie es uns "Der Koenig der Loewen" verkaufen will, sondern bei Zeiten tatsaechlich auch Menschen angreifen. Diese Info erreichte uns allerdings erst Tags darauf. So brach auf das Rudel Hyaenen eine wilde und vor allem betrunkene Horde 19 - 48 Jaehriger los, in erster Linie um den anwesenden Frauen zu demonstrieren, dass sie sich in unserer Anwesenheit vor wirklich nichts zu fuerchten brauchen. Der Coup gelang und die Hyaenen ergriffen verstaendlicherweise die Flucht. Als wir dann allerdings im nicht eingezaeunten Camp, in dem wir uebrigens die einzigen Gaeste waren, umherleuchteten, blitzten in beunruhigend regelmaessigen Abstaenden Augen im Gebuesch auf, sodass wir die Runde unauffaellig fuer geschlossen erklaerten ("Naja, ich war sowieso muede...").
Die Nacht lief fuer den ein oder anderen von uns dann sehr beschwerlich. Als einer der unseren nachts austreten wollte, musste er geschlagene zwei Stunden das Angestaute in seinem Koerper jonglieren, bevor das Rudel Hyaenen vor seinem Zelt den Heimweg antrat.
Dominik muss seither mit nur noch einem Schuh auskommen. Die Hyaenen waren so frei und haben den anderen mitgenommen. In dem noch verbliebenen sind dafuer spannende Gebissspuren der Entfuehrer.
Nachdem sich der naechtliche Hyaenen-Flashmob aufgeloest hatte und alle wieder bei Sinnen waren, machte uns der ansonsten freundliche Rezeptionist auf Nachfrage darauf aufmerksam, dass man hier haeufiger Probleme mit Hyaenen habe. Die Hyaenen wuerden vermutlich angeben, haeufiger Probleme mit Betrunkenen zu haben, und so halten sich am Ende Mensch und Natur, Schrottkarren und Top-Autos, Hysterie und Abenteuerlust im ewigen Gleichgewicht Afrikas.
Ein schoener Schluss.