Montag, 23. November 2009

Wahlen in Namibia

Ein kleiner Exkurs in die Politik eines Landes, das zwischen 1884 und 1918 deutsche Kolonie war, kann nicht schaden, daher bin ich mal so frei:

In Namibia herrscht Demokratie, und das in Form der seit Namibias Unabhaengigkeit unangefochtenen Partei SWAPO (South West African People's Organisation).
Am 27. und 28. November dieses Jahres wird, wie alle fuenf Jahre, mal wieder die SWAPO gewaehlt, was in ganz Namibia zu mehr oder weniger friedlichen Kundgebungen fuehrt, bei denen die SWAPO eindrucksvoll ihre Vormachtsstellung demonstriert.
Als wir vor zwei Wochen zufaellig waehrend eines Parteitreffens der oppositionellen RDP (Rally for Democracy and Progress) in Outapi waren, konnten wir ganz gut sehen, wie lebendig solche Treffen in Namibia abgehalten werden. Diese Treffen sind eigentlich viel treffender mit "Parteiparty" zu umschreiben, denn grob geschaetzte 1000 Anhaenger der RDP standen in den entsprechenden Farben und Hueten am Strassenrand und jubelten dem nicht enden wollenden Tross der uebervollbesetzten PKWs, Pick-Ups und LKWs mit weiteren Anhaengern der Partei zu. Erst dachten wir es sei ein Treffen der SWAPO, denn wir kamen aus dem Teil der Region, den die in gleich grosser Zahl vertretenen SWAPO-Anhaenger abzusperren versuchten, da die eigentliche Kundgebung in diesem Teil stattfinden sollte. In den Farben der SWAPO (und der namibischen Flagge) - gruen, rot, blau - standen die Leute auf der Strasse, jubelten und zerrissen die ueberall herumfliegenden Plakate des Praesidentschaftskandidaten der RDP.
Was erst nach friedlichem Herumjodeln und Papierverschwendung aussah, entwickelte sich wohl spaeter noch zu einigen handfesten Krawallen, bei denen Steine flogen und einige der Demonstranten verhaftet wurden, wie wir am naechsten Tag in der Zeitung lesen konnten.

Die Swapo hat deswegen eine solche Vormachtsstellung inne, weil sie den suedafrikanischen Besatzern zwischen 1960 und der Unabhaengigkeit 1990 erst friedlichen, dann bewaffneten Widerstand leistete. Sie setzte sich fuer die Arbeiter ein und war somit die erste "Gewerkschaft" Namibias, und damit ruehmt sie sich bis heute. Der Gruender der SWAPO und erster Praesident Namibias, Sam Nujoma, ist heute ein echter Volksheld, auf den die Namibier nichts kommen lassen.
Als ich Lehrer in Ruacana war, haette ich fast die Ehre gehabt ihn zu treffen, da er gerade in der Stadt war und anschliessend eigentlich die neu eroeffnete Schule besichtigen wollte, an der ich unterrichtete. Leider zog sich das Treffen mit dem Buergermeister der Stadt aber derart in die Laenge, dass sein Konvoi ohne jedes Treffen mit der Schule oder mir davon zog. Als ich mit meinen Schuelern zu diesem Anlass ein kleines Brainstorming zu Sam Nujoma machte und irgendwann fragte: "Stimmt es, dass Sam Nujona korrupt war?", war's ploetzlich still in der Klasse, wobei die Schueler erst mit allerhand Detailwissen aufgetrumpft hatten. Irgendwann meinte einer der Schueler zwar hoeflich aber bestimmt:"Ay, weder Du weisst es genau, noch wir wissen es genau, drum frag einfach was anderes." Gut, dachte ich, fragst du besser wie viele Kinder er aus brennenden Haeusern geholt und wie vielen alten Frauen er ueber die Strasse geholfen hat.
Als ich spaeter mit Sacky, unserem namibischen Mitbewohner, darueber geredet habe, meinte er, dass er wohl relativ offensichtlich korrupt war (und ist), dies aber aufgrund seines Status als Gruendungsvater ignoriert wird. Zudem hat er die Verfassung mal kurz geaendert, um an seine zweite Amtsperiode noch eine dritte zu haengen. Nichts desto trotz ist und bleibt er als Gruender der SWAPO wohl zurecht der namibische Thomas Jefferson...

Das Lob der Einheimischen auf der einen Seite, die Kritik der Auslaender in Namibia, aber auch einigen Einheimischen auf der anderen: Die SWAPO um den derzeitigen und kuenftigen Praesidenten Hifikepunye Pohamba wird das Rennen machen und nach dem vorletzten Ergebnis (76,3%) und des letzten (76,1%) wieder mit absoluter Mehrheit den Grossteil der 72 Sitze im Parlament besetzen. Auch wenn ich kein Namibiaexperet bin, will ich mal verrueckt sein und das Wahlergebnis voraussagen: Die SWAPO gewinnt mit 77,2%.

Sehr schoen, nachdem ich jetzt den Grundstein fuer mein Expertendasein - sollte ich Recht behalten - gelegt habe, moechte ich Euch wieder in den Rest des Internets entlassen und einen hoffentlich noch kommenden Winter wuenschen.

Bis die Tage,

Fredi

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