Montag, 30. November 2009

Neuer Volunteer aus Deutschland/ Touri-Invasion

Am Mittwoch waren Christoph und ich wieder mal in Geberlaune und haben den frisch aus Deutschland eingetroffenen Koblenzer, Thomas, in Empfang genommen und durch die Stadt gefuehrt. Zwar ist er nicht in unserem Projekt, sondern in einem katholischen Kinderhilfsprojekt im 350km entfernten Tsumeb untergekommen, aber er ist trotzdem nett...

Leider ist er gerade zur Weihnachtszeit (= Touristenzeit) und waehrend den Wahlen angekommen, was die Strassen in Windhoek zu einem echten Abenteuer macht.
Auf der einen Seite sieht man ueberdurchschnittlich viele dickbaeuchige Mittfuenfziger, die mit Safarihut, am Guertel befestigen Kamerataschen und Sonnenbrille mit Sicherheitsbaendchen in Kahkihosen und Baumfaellerhemden durch die Strassen ziehen und im Grunde nur vergessen haben, sich "Touri" auf die Stirn zu schreiben, um wenig spaeter ueberfallen zu werden.
Auf der anderen Seite sorgen die Wahlen dafuer, dass sich viele Einheimische der partyaehnlichen Wahlstimmung hingeben und spaetestens nachmittags betrunken sind, weswegen man den Township und auch bestimmte Gegenden der Innenstadt meiden sollte.

Direkt am Mittwoch sind Thomas und ich, im Zoo Park sitzend, erst auf die uebliche Tour angesprochen worden ("Ay, deuitsch, ja? Stuttgart, Munschen, Cologne. Ik spreke en bischen Deuitsch.") und dachten, nachdem er das uebliche "Do you have a Dollar for me?" losgelassen hat, macht er sich schon wieder vom Acker.
Doch als er einfach nicht gehen wollte, aber wir stattdessen, nahm er die von Beginn an neben sich gelegte, an einen kleinen Ast gebundene Skalpellspitze in die Hand und drohte uns besser nicht aufzustehen. Als er dann nach einiger Zeit feststellen musste, dass bei uns nichts zu holen ist, half er uns ploetzlich uebertrieben freundlich auf die Beine und verschiedete sich.

Freitag Abend, als Thomas und ich aus der Innenstadt zum etwas ausserhalb gelegenen Backpacker wollten, wurden wir ploetzlich von drei finster drein blickenden Gestalten umrundet, die erst nur noch ein paar Dollar fragten, aber immer naeher kamen und aufdringlich wurden, obwohl wir einfach weiterzugehen versuchten.
Gluecklicherweise gesellte sich irgendwann ein anderer Kerl dazu, der die Boesen dazu brachte sich vom Acker zu machen. Ich verliebte mich kurz in diesen Menschen, da er so lange bei uns stehen blieb, bis wir in irgendeinem Taxi davon fuhren. Er meinte, dass wir, wenn wir einfach weiter gegangen waeren, vermutlich irgendwo ueberfallen worden waeren.
Am naechsten Tag wurde mir erzaehlt, dass unser Retter vermutlich ein Polizist in Zivil war, welche waehrend der Wahlen und der Weihnachtszeit zu Hauf im Einsatz sind.


Eine gute Sache, wie ich meine!

Donnerstag, 26. November 2009

Visumsodyssee

Schoen,

Montag sind wir nach knappen zwei Stunden im Stasibau der Home Affairs ziemlich frech abgefertigt worden, indem man unsere (schon x-Mal kopierten Unterlagen) kopiert und dann gesagt hat, WIR melden uns dann, IHR macht erstmal gar nichts.

Da wir die Pappenheimer hier aber mittlerweile kennen, sind wir verrueckterweise gestern einfach nochmal aufgelaufen und haben gesagt, der Erzbischhof persoenlich haette uns geschickt, um den Fortschritt unseres Antrags fuer eine Arbeitserlaubnis zu pruefen.
Endlich fuehrte die Dame von Montag uns genervt zu einer anderen Dame, der wir unser Anliegen nochmal von Vorne vortragen mussten. Diese schien etwas engagierter zu sein, rief aber erstmal bei den Ordensschwestern an, um zu fragen, ob wir wirklich von der Kirche sind. Nachdem das bestaetigt war, hat sie unsere Unterlagen geprueft und versprochen, dass unser Fall naechste Woche Dienstag beim allwoechentlichen Kaffeekraenzchen besprochen wird.
Soweit waren wir schon vor zwei Monaten, als man entschied besser erst noch unsere (vor vier Monaten abgeschickten) Visumsunterlagen aus Deutschland abzuwarten.

Wir warten einfach mal entspannt ab und hoffen, dass es bis zum 03.12.09 entweder eine Verlaengerung des Touri-Visums gibt oder die lang ersehnte Arbeitserlaubnis.

So far,

Fredi

Montag, 23. November 2009

Wahlen in Namibia

Ein kleiner Exkurs in die Politik eines Landes, das zwischen 1884 und 1918 deutsche Kolonie war, kann nicht schaden, daher bin ich mal so frei:

In Namibia herrscht Demokratie, und das in Form der seit Namibias Unabhaengigkeit unangefochtenen Partei SWAPO (South West African People's Organisation).
Am 27. und 28. November dieses Jahres wird, wie alle fuenf Jahre, mal wieder die SWAPO gewaehlt, was in ganz Namibia zu mehr oder weniger friedlichen Kundgebungen fuehrt, bei denen die SWAPO eindrucksvoll ihre Vormachtsstellung demonstriert.
Als wir vor zwei Wochen zufaellig waehrend eines Parteitreffens der oppositionellen RDP (Rally for Democracy and Progress) in Outapi waren, konnten wir ganz gut sehen, wie lebendig solche Treffen in Namibia abgehalten werden. Diese Treffen sind eigentlich viel treffender mit "Parteiparty" zu umschreiben, denn grob geschaetzte 1000 Anhaenger der RDP standen in den entsprechenden Farben und Hueten am Strassenrand und jubelten dem nicht enden wollenden Tross der uebervollbesetzten PKWs, Pick-Ups und LKWs mit weiteren Anhaengern der Partei zu. Erst dachten wir es sei ein Treffen der SWAPO, denn wir kamen aus dem Teil der Region, den die in gleich grosser Zahl vertretenen SWAPO-Anhaenger abzusperren versuchten, da die eigentliche Kundgebung in diesem Teil stattfinden sollte. In den Farben der SWAPO (und der namibischen Flagge) - gruen, rot, blau - standen die Leute auf der Strasse, jubelten und zerrissen die ueberall herumfliegenden Plakate des Praesidentschaftskandidaten der RDP.
Was erst nach friedlichem Herumjodeln und Papierverschwendung aussah, entwickelte sich wohl spaeter noch zu einigen handfesten Krawallen, bei denen Steine flogen und einige der Demonstranten verhaftet wurden, wie wir am naechsten Tag in der Zeitung lesen konnten.

Die Swapo hat deswegen eine solche Vormachtsstellung inne, weil sie den suedafrikanischen Besatzern zwischen 1960 und der Unabhaengigkeit 1990 erst friedlichen, dann bewaffneten Widerstand leistete. Sie setzte sich fuer die Arbeiter ein und war somit die erste "Gewerkschaft" Namibias, und damit ruehmt sie sich bis heute. Der Gruender der SWAPO und erster Praesident Namibias, Sam Nujoma, ist heute ein echter Volksheld, auf den die Namibier nichts kommen lassen.
Als ich Lehrer in Ruacana war, haette ich fast die Ehre gehabt ihn zu treffen, da er gerade in der Stadt war und anschliessend eigentlich die neu eroeffnete Schule besichtigen wollte, an der ich unterrichtete. Leider zog sich das Treffen mit dem Buergermeister der Stadt aber derart in die Laenge, dass sein Konvoi ohne jedes Treffen mit der Schule oder mir davon zog. Als ich mit meinen Schuelern zu diesem Anlass ein kleines Brainstorming zu Sam Nujoma machte und irgendwann fragte: "Stimmt es, dass Sam Nujona korrupt war?", war's ploetzlich still in der Klasse, wobei die Schueler erst mit allerhand Detailwissen aufgetrumpft hatten. Irgendwann meinte einer der Schueler zwar hoeflich aber bestimmt:"Ay, weder Du weisst es genau, noch wir wissen es genau, drum frag einfach was anderes." Gut, dachte ich, fragst du besser wie viele Kinder er aus brennenden Haeusern geholt und wie vielen alten Frauen er ueber die Strasse geholfen hat.
Als ich spaeter mit Sacky, unserem namibischen Mitbewohner, darueber geredet habe, meinte er, dass er wohl relativ offensichtlich korrupt war (und ist), dies aber aufgrund seines Status als Gruendungsvater ignoriert wird. Zudem hat er die Verfassung mal kurz geaendert, um an seine zweite Amtsperiode noch eine dritte zu haengen. Nichts desto trotz ist und bleibt er als Gruender der SWAPO wohl zurecht der namibische Thomas Jefferson...

Das Lob der Einheimischen auf der einen Seite, die Kritik der Auslaender in Namibia, aber auch einigen Einheimischen auf der anderen: Die SWAPO um den derzeitigen und kuenftigen Praesidenten Hifikepunye Pohamba wird das Rennen machen und nach dem vorletzten Ergebnis (76,3%) und des letzten (76,1%) wieder mit absoluter Mehrheit den Grossteil der 72 Sitze im Parlament besetzen. Auch wenn ich kein Namibiaexperet bin, will ich mal verrueckt sein und das Wahlergebnis voraussagen: Die SWAPO gewinnt mit 77,2%.

Sehr schoen, nachdem ich jetzt den Grundstein fuer mein Expertendasein - sollte ich Recht behalten - gelegt habe, moechte ich Euch wieder in den Rest des Internets entlassen und einen hoffentlich noch kommenden Winter wuenschen.

Bis die Tage,

Fredi

Samstag, 21. November 2009

Ab in die Ferien


Sodele,

heute ist letzter Abend in Oshipeto, denn morgen geht es ab nach Windhuk in die Sommerferien. Eigentlich beginnen die Ferien erst Ende naechster Woche, aber die Zeit draengt ein wenig. Unser Touristenvisum laeuft am 03.12.09 aus, sodass wir bis dahin tunlichst eine Arbeitserlaubnis oder irgendetwas vergleichbares in der Tasche haben sollten.

Wie berichtet, haben wir uns mittlerweile an eine hauptberufliche Visumsbeschafferin gewendet, die uns Montag hoffentlich die frohe Kunde einer entsprechenden Erlaubnis verkuendet.

Ich werde berichten...

Gruesse,
Fredi

Freitag, 6. November 2009

Kurzausflug nach Windhuk

Nachdem Christoph und ich etwas Probleme mit unserer Arbeitserlaubnis fuer das kommende Jahr und dem Touristenvisum fuer unsere Zwischenseminare in Ghana bzw. Tansania haben, sind wir Mittwoch frueh morgens mit den Ordensschwestern aus Oshikuku, die eh nach Windhuk wollten, mitgefahren, um uns entsprechend zu kuemmern.

Da wir Mittwoch Abend noch eine Bleibe finden mussten und in dieser Woche ganz Windhuk ausgebucht zu sein scheint, waren dementsprechend alle guenstigen Hostels ausgebucht, sodass wir notgedrungen in einer relativ gehobenen Pension schlafen "mussten".
Ungeachtet der Mehrkosten, war es der Himmel auf Erden! Seit langem konnten wir so mal wieder warm duschen, TV gucken, die Zimmerbar nutzen und abends am Pool die Seele baumeln lassen.
Die vergangene Nacht konnten wir dann doch in einem der guenstigen Hostels in einem 4-Bett Zimmer verbringen, das wir gluecklicherweise fuer uns hatten. Aber auch hier laesst es sich aushalten. Es gibt einen Pool, einen Billardtisch und eine Dusche, bei der nur das heisse Wasser geht, sie ist also ohne ausgesprochen schnelles drunter- und wieder weg ducken und ohne Hautverbrennungen 2. Grades nicht zu benutzen. Irgendwie kann man sich mit viel Geduld und schnellem Umherspringen aber trotzdem abduschen.

Unsere Arbeitserlaubnis scheint irgendwie nicht so richtig auf den Weg zu kommen, denn die Jungs ausm Aussenministerium haben noch immer nichts von sich hoeren lassen. Da wir aber ab dem 3. Dezember kein gueltiges Visum mehr haben, wird es langsam eng. Ueber 3 Ecken sind wir auf eine hauptberufliche Visumsbeschafferin gestossen, die die Sache jetzt in die Hand genommen hat und hoffentlich bis zum 22.November - dann sind wir wieder in Windhuk - Erfolge verzeichnet hat.
Morgen geht's wieder zurueck nach Oshipeto.

Soweit aus Windhuk,

Fredi

Dienstag, 3. November 2009

Skandal im Sperrbezirk!


In den letzten Tagen sind wir mehrfach Opfer heimtueckischer Einbrueche geworden!

Eine der Schwestern hatte einen ca. 14 jaehrigen Jungen aus dem Hostel dabei erwischt, wie er waehrend unserer zwei taegigen Abwesenheit versucht hatte, durch das offene Kuechenfenster bei uns einzusteigen, um Brot zu klauen. Zwei Tage spaeter entdeckten wir zwei volle Bierdosen vor dem selben Kuechenfenster, die vorher noch in unserer Kuehltruhe gestanden hatten. Wir hatten das Kuechenfenster zwar dummerweise wieder offen stehen lassen, waren aber nur fuer 5 Minuten bei den Schwestern gewesen.

Der Junge, der auf frischer Tat ertappt worden ist, musste die naechsten zwei Tage Kot schueppen. So ist das im Leben, auf List folgt Mist...

Zur Verteidigung der Kinder in Oshipeto sei gesagt, dass es natuerlich ziemlich bloede und naiv von uns gewesen ist, das Kuechenfenster aufzulassen, auch wenn unser kleines Kuechenfenster nicht seitwaerts sondern vertikal zu oeffnen ist, was den Einstieg erstmal ziemlich schwierig gemacht haben sollte.
Die Kinder kriegen allerdings nur drei feste Mahlzeiten am Tag, die sich aus Poragge (eine Art zaeher Griesbrei mit dem Gefuehl auf Sand herum zu kauen) und wahlweise Spinat oder einer undefinierbaren Sosse zusammensetzen. In Deutschland koennten wir die "Verleitung zum Diebstahl" wohl nicht abstreiten... 

Soweit aus dem aber sonst sehr friedlichen Oshipeto,

Fredi