Blutfontaenen, reissende Haut und brechende Knochen sind ok fuer mich
Ich bin jetzt seit knapp drei Wochen Praktikant und Assistent im Katutura State Hospital und habe schon ein paar spannende, widerliche und faszinierende Sachen erlebt. Vor allem die ersten eineinhalb Wochen in der Inneren haben mir einen unglaublich spannenden Einblick in den Medizineralltag in Namibia gegeben. Mein Glueck war, dass meine schon im ersten Bericht beschriebenen Interns sich unendlich viel Zeit genommen haben, um mich in all die verkruksten Faelle und Gegebenheiten im Katutura State Hospital einzuweisen. Gegen Ende meiner kurzen Zeit war es selbstverstaendlich, dass ich den Patienten Blut abgenommen habe und teilweise die klinische Untersuchtung, d.h. abtasten, horchen und gucken, uebernommen habe. Auch Fluessigkeitsentnahmen aus dem Rueckenmark (Lamba Puncture) und der Lunge (Taps) durfte ich durchfuehren. Ich darf verraten, dass die Arbeit am Patienten mitunter ziemlich kniffelig und wahrscheinlich gerade deshalb ziemlich spannend ist!
Auch sonst kam selten Langeweile auf. Meine zweite Knochmarksentnahme beispielsweise, die durch eine schwere Osteoporose der Patientin eher wie das Loechern eines Kaeses aussah, als das Eindringen in einen Knochen, war nach meinem kleinen Kreislaufabenteuer am ersten Tag eine gute Gelegenheit meine Belastungsgrenzen in dieser Hinsicht zu erweitern.
Die Tumorentnahme und Haemoridenbeseitigung in der Chirurgie waren spannend, wenn auch ungeahnt kleine Eingriffe.
Bei der Herzschrittmacher-OP wollte ich gleich zu Anfang ein Zeichen setzen und dem Chefoperateur seinen Kittel anreichen. Ich beruehrte den Kittel fuer 0,24426 Sekunden und fuhr erschrocken zurueck, als der Chefoperateur, Dr. Katjitae mir auf deutsch: “Lass das!” zu bruellte. Erst dann fiel mir auf, dass ich keine Handschuhe trug und mir im Gegensatz zu Dr. Katjitae nicht vorher 10min. die Haende gewaschen hatte und den Kittel so kontaminiert haette. Mist.
Zu Anfang der Op musste ich, um die aufsteigende Magensaeure in Schach zu halten, kurz vor die Tuer gehen, weil der Arzt in dem Loch ueber dem linken Brustansatz der 72 jaehrigen Patientin herum manschte, als ginge es darum eine Ueberrschung im Baellchenbad zu finden. Auch sonst war die fuenf stuendige Herzschrittmacher-OP ein ziemliches Highlight, wollte doch der verfluchte Herzschrittmacher dem Herzen nicht so rechten Rythmus verleihen. Nach ewigem Gestocher und Probieren kam spaeter heraus, dass es wahrscheinlich am defekten Herzschrittmacher selbst liegt, nach zweieinhalb Stunden war das eine wichtige Erkenntnis. Letztlich hat die Patientin jetzt ein zuverlaessiges Herz und ich eine weitere Geschichte fuers Lagerfeuer.
Auch sonst kam selten Langeweile auf. Meine zweite Knochmarksentnahme beispielsweise, die durch eine schwere Osteoporose der Patientin eher wie das Loechern eines Kaeses aussah, als das Eindringen in einen Knochen, war nach meinem kleinen Kreislaufabenteuer am ersten Tag eine gute Gelegenheit meine Belastungsgrenzen in dieser Hinsicht zu erweitern.
Die Tumorentnahme und Haemoridenbeseitigung in der Chirurgie waren spannend, wenn auch ungeahnt kleine Eingriffe.
Bei der Herzschrittmacher-OP wollte ich gleich zu Anfang ein Zeichen setzen und dem Chefoperateur seinen Kittel anreichen. Ich beruehrte den Kittel fuer 0,24426 Sekunden und fuhr erschrocken zurueck, als der Chefoperateur, Dr. Katjitae mir auf deutsch: “Lass das!” zu bruellte. Erst dann fiel mir auf, dass ich keine Handschuhe trug und mir im Gegensatz zu Dr. Katjitae nicht vorher 10min. die Haende gewaschen hatte und den Kittel so kontaminiert haette. Mist.
Zu Anfang der Op musste ich, um die aufsteigende Magensaeure in Schach zu halten, kurz vor die Tuer gehen, weil der Arzt in dem Loch ueber dem linken Brustansatz der 72 jaehrigen Patientin herum manschte, als ginge es darum eine Ueberrschung im Baellchenbad zu finden. Auch sonst war die fuenf stuendige Herzschrittmacher-OP ein ziemliches Highlight, wollte doch der verfluchte Herzschrittmacher dem Herzen nicht so rechten Rythmus verleihen. Nach ewigem Gestocher und Probieren kam spaeter heraus, dass es wahrscheinlich am defekten Herzschrittmacher selbst liegt, nach zweieinhalb Stunden war das eine wichtige Erkenntnis. Letztlich hat die Patientin jetzt ein zuverlaessiges Herz und ich eine weitere Geschichte fuers Lagerfeuer.
Auch die beiden Kaiserschnitte, deren Zeuge ich auf der Paediatrie wurde, waren einpraegsam. Wieder einmal war ich erstaunt, wie ruede die Operateure mit der Haut der Patientinnen umgingen. Ein Schnitt durch Haut und Fett eroeffnet bei solcherlei OPs das Operationsfeld, danach wird versucht zu dehnen anstatt weiter zu schneiden, d.h. man zieht die Haut auf beiden Seiten des Schnitts in zwei verschiedene Richtungen, um hinterher ein kosmetisch schoeneres (weil narbenaermeres) Ergebnis zu bekommen. In der Praxis begeben sich zwei voll ausgewachsene Maenner in Rueckenlage und halten sich, wie beim Tauziehen, an der Haut der Patientin fest, um sie ihrer eigenen ein Stueck naeher zu bringen. So sinnvoll dieses Prozedere kosmetisch ist, so brutal sieht es fuer den ahnungslosen Zuschauer aus. Den werdenden Muettern war es egal, sie waren lokal betaeubt, sodass sie zwar bei Bewusstsein waren, aber von den Reissproben weiter unterhalb nichts mitbekamen.
Ist der Uterus dann erstmal freigelegt und samt der Fruchtblase aufgeschnitten, nimmt das Bad aus Blut und Fruchtwasser kein Ende mehr. Das Ganze ergiesst sich aus dem Bauch ueber die Decken und Folien, mit denen der Unterleib der Patientin in weiser Voraussicht ueberdeckt worden ist. Ein Sauger versucht die Welle ein bisschen einzudaemmen, erinnert aber eher an den Staubsauger in der Wueste. Ist der Fluessigkeitsschwall dann abgeklungen, schimmert auch schon ein duenn behaarter Kopf durch das Bierdeckel-grosse Loch im Uterus. Dieser wird dann in aller Eile heraus geprokelt, um das Baby anschliessend in die Arme einer Schwester zu setzen, damit es sofort unter einem Heizstrahler auf die koerperlichen Grundfunktionen untersucht werden kann. Der international standartisierte Apgar-Score gibt hier ein paar einfache Tests vor, bei dem das Baby durch regelmaessiges Atmen, Zappeln und Schreien bis zu 10 Punkte erreichen kann. Sind es dann weniger als 7 Punkte, nimmt sich die Fruehchenstation seiner an und peppelt es in einem dieser ungemuetlichen Brutkaesten auf. An dieser Stelle faellt mir immer wieder ein, dass ich seiner Zeit Tagessieger war, d.h. groesstes und schwerstes Baby des Tages. Nicht dass ich deswegen was Besseres waere, aber es faellt mir an dieser Stelle einfach immer wieder ein...
Tagessieger! Yes!!!
Fredi
Ist der Uterus dann erstmal freigelegt und samt der Fruchtblase aufgeschnitten, nimmt das Bad aus Blut und Fruchtwasser kein Ende mehr. Das Ganze ergiesst sich aus dem Bauch ueber die Decken und Folien, mit denen der Unterleib der Patientin in weiser Voraussicht ueberdeckt worden ist. Ein Sauger versucht die Welle ein bisschen einzudaemmen, erinnert aber eher an den Staubsauger in der Wueste. Ist der Fluessigkeitsschwall dann abgeklungen, schimmert auch schon ein duenn behaarter Kopf durch das Bierdeckel-grosse Loch im Uterus. Dieser wird dann in aller Eile heraus geprokelt, um das Baby anschliessend in die Arme einer Schwester zu setzen, damit es sofort unter einem Heizstrahler auf die koerperlichen Grundfunktionen untersucht werden kann. Der international standartisierte Apgar-Score gibt hier ein paar einfache Tests vor, bei dem das Baby durch regelmaessiges Atmen, Zappeln und Schreien bis zu 10 Punkte erreichen kann. Sind es dann weniger als 7 Punkte, nimmt sich die Fruehchenstation seiner an und peppelt es in einem dieser ungemuetlichen Brutkaesten auf. An dieser Stelle faellt mir immer wieder ein, dass ich seiner Zeit Tagessieger war, d.h. groesstes und schwerstes Baby des Tages. Nicht dass ich deswegen was Besseres waere, aber es faellt mir an dieser Stelle einfach immer wieder ein...
Tagessieger! Yes!!!
Fredi